Traditionelles Taekwon-Do
Taekwon-Do zielt darauf ab, Bescheidenheit, Durchhaltevermögen, Selbstbeherrschung und einen unbezwingbaren Geist zu erreichen.

Von Phil1881 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11526227
Großmeister Kwon Jae-hwa
Pionier des traditionellen Taekwon-Do
Großmeister Kwon Jae-Hwa, 1937 in Busan (Südkorea) geboren, zählt zu den einflussreichsten Wegbereitern des traditionellen Taekwon-Do weltweit. Früh zeigte er außergewöhnliches Talent und wurde von den hochrangigen Meistern Hae Dae-Yeong und General Choi Hong Hi ausgebildet. Bereits mit 24 Jahren leitete er die Yonmu-Kwan Schulen in Busan und wurde technischer Direktor des Taekwon-Do-Landesverbands der Provinz.
1965 kam er im Auftrag der koreanischen Regierung nach Europa und legte den Grundstein für das deutsche Taekwon-Do. Als Gründer und Cheftrainer des Deutschen Taekwon-Do Verbands prägte er die Entwicklung dieser Kampfkunst nachhaltig. Seine spektakulären Demonstrationen, darunter der berühmte Kieselsteinbruchtest, machten ihn international bekannt.
© Kwon, Jae-Hwa Taekwon-Do Federation Grandmaster Kwon, Jae-Hwa
36 West 13th Street
New York, N. Y. 10011, USA
October 2000
Für Kwon Jae-Hwa steht Taekwon-Do bis heute für mehr als Technik: Es ist ein Weg der körperlichen und geistigen Entwicklung, geprägt von Disziplin, Respekt, Bescheidenheit und innerer Stärke – fernab des modernen Wettkampfsports.
2015 beendete Großmeister Kwon seine offizielle Verbandsarbeit in Europa mit einer Abschlusstour durch Deutschland. In Kempten, Fürth und Berlin leitete er seine letzten Lehrgänge – exakt 50 Jahre nach seinem ersten Unterricht in der Hauptstadt. Bis 2018 reisten langjährige Schüler:innen weiterhin nach Portland (Oregon), um an seinen Lehrgängen teilzunehmen und Prüfungen abzulegen.
Kwon Jae-Hwa lebt in Portland, wo er seinen Schüler:innen weiterhin zu Seite steht. Seine Philosophie und sein Lebenswerk machen ihn für viele zum Vater des Taekwon-Do in Europa und Amerika.
Die fünf Grundprinzipien des traditionellen Taekwon-Do:
Höflichkeit (Ye Ui, 예의)
Die Taekwon-Do Schüler:innen sollen stets versuchen höflich miteinander umzugehen und einander zu respektieren. Sie sollen sich vor und nach dem Unterricht vor dem Lehrer verbeugen. Es ist auch ein Zeichen von Höflichkeit rechtzeitig vor Beginn des Unterrichts zu erscheinen.
Integrität (Yom Chi, 염치)
Integrität bedeutet unterscheiden zu können, was richtig und was falsch ist und die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Die Taekwon-Do Schüler:innen sind stets ehrlich und versuchen ihr Leben nach hohen moralischen Ansprüchen zu gestalten.
Ausdauer (In Nae, 인내)
Ausdauer zu haben bedeutet geduldig zu sein. Eines der wichtigsten Geheimnisse auf dem Weg ein/e Meister:in des Taekwon-Do zu werden ist es, jede Schwierigkeit mit Ausdauer zu überwinden.
Selbstkontrolle (Guk Gi, 극기)
Durch die Selbstkontrolle unterscheidet sich ein/e Taekwon-Do Schüler:in von einem Straßenschläger. Ein Verlust der Selbstkontrolle ist sowohl im Kampf als auch im Alltag verheerend. Nach Lao Tse ist „der Stärkere diejenige Person, welche über sich selbst siegt, anstatt über jemand anderen“.
Unbezwingbarer Wille (Baekjul Boolgool, 뱩절 불굴)
Ein/e wahre Taekwon-Do-Schüler:in gibt niemals auf, selbst wenn er/sie mit unüberwindbaren Schwierigkeiten konfrontiert ist. Selbst die schwierigsten Ziele können mit unbezwingbarem Willen erreicht werden.
Gleichwohl für Schüler- wie Meistergrade soll es selbstverständlich sein die Grundsätze des
Taekwon-Do zu beachten. Ein wesentlicher Kern ist der respektvolle Umgang miteinander.
Taekwon-Do darf niemals missbraucht werden.
Übersicht der verschiedenen Bereiche im traditionellen Taekwon-Do:
Hyong
Bevor das heutige fortgeschrittene Sparring entstand, wurden verschiedene Bewegungsabläufe entwickelt, damit Schüler:innen Angriffs- und Verteidigungstechniken üben konnten, ohne dafür einen echten Gegner zu brauchen. Eine Form (hyong) ist eine Abfolge von Angriffs- und Verteidigungsbewegungen. Dabei werden imaginäre Gegner in verschiedenen Situationen nacheinander bekämpft. Das Üben der Hyong hilft dabei die Grundtechniken zu festigen, Sparring-Techniken zu entwickeln, die Beweglichkeit zu verbessern, die Körperbalance zu trainieren, Muskeln aufzubauen, die Atmung zu kontrollieren und spezielle Techniken zu erlernen, die durch Grundübungen allein nicht möglich wären. Im traditionellen Taekwon-Do ist der Formenlauf in 20 Hyongs gegliedert. Jede dieser Hyongs steht für wichtige koreanische Persönlichkeiten oder Daten.
Taeryon
Sparring (taeryon) ist das praktische Anwenden von Angriff- und Verteidigungstechniken aus den Formen und Grundübungen gegen einen oder mehrere Gegner. Es baut direkt auf den Formen (hyongs) auf und ist wichtig, um Kampfgeist und Mut zu stärken, die Wahrnehmung zu schulen, die Taktik des Gegners zu erkennen, Treffpunkte zu üben, die eigenen Fähigkeiten zu prüfen und Bewegungen zu lernen, die man in den Formen oder Grundtechniken kaum vermitteln kann. Die häufigsten Sparringformen sind der Einschrittkampf (ilbo taeryon) und der Freikampf (chayu taeryon).
Kyokpa
Der Bruchtest (kyokpa) beweist, dass Schüler:innen Techniken nicht nur korrekt, sondern auch kraftvoll und effektiv anwenden können. Er erfordert die Kombination von Kraft, Präzision, Geschwindigkeit und Konzentration. Entscheidend ist die saubere Technik, die die Kraft gezielt einsetzt. Außerdem fördert der Test mentale Stärke, hilft Ängste zu überwinden und den Fokus zu trainieren. Bei Gürtelprüfungen zeigt der Bruchtest, wie gut die Schüler:innen ihre Techniken beherrschen und sich weiterentwickelt haben.
Hosinsul
Bei der Selbstverteidigung (hosinsul) werden Sparring-Techniken genutzt, um sich in einer plötzlichen Gefahrensituation gegen einen bewaffneten oder unbewaffneten Angreifer zu schützen. Die Schüler:innen verstehen und lernen dabei, wie die Kraft des Angreifers mit der eigenen Bewegung kombiniert wird. Dadurch wird gelernt, schnell die gegnerischen Schwachstellen zu erkennen und einen Gegenangriff auszuführen, der den Angreifer handlungsunfähig macht.
Die Gürtelfarben und
ihre Bedeutungen
Ein Gürtel zeigt nicht, wie gut du bist. Er zeigt, wie konsequent du deinen Weg gehst.
10. und 9. Kup
Weißgurt
Weiß steht für ein unbeschriebenes Blatt. Du stehst gerade am Anfang, bist wissbegierig und startest deinen Weg. Wie ein frisch gepflanzter Samen, welcher noch nicht gesprießt hat.
6. und 5. Kup
Grüngurt
Grün steht für Wachstum. Du hast bereits Erfahrungen gesammelt, welche weiter ausreifen. Die ersten Sprösslinge zeigen sich und wachsen weiter.
2. und 1. Kup
Rotgurt
Rot steht für Gefahr. Du sollst dich daran erinnern, dass deine Techniken mit Kontrolle und Respekt eingesetzt werden sollen. Die Warnung gilt ebenfalls für dein Gegenüber.
8. und 7. Kup
Gelbgurt
Gelb steht für die Erde. Du hast bereits grundlegende Techniken parat, auf welche du weiter aufbauen kannst. Deine Wurzeln beginnen in der Erde zu wachsen.
4. und 3. Kup
Blaugurt
Blau steht für den Himmel. Du strebst Höheres an und bist dazu fähig, dieses zu erreichen. Die Pflanze wächst weiter und entwickelt sich zu einem Baum.
1. Dan
Schwarzgurt
Schwarz steht für die Vereinigung aller bisherigen Farben. Du hast dir Können und Reife erarbeitet. Deine Reise als Anfänger ist vorbei und du begibst dich auf eine neue Reise als Dan im Taekwon-Do.
10. und 9. Kup
Weißgurt
Weiß steht für ein unbeschriebenes Blatt. Du stehst gerade am Anfang, bist wissbegierig und startest deinen Weg. Wie ein frisch gepflanzter Samen, welcher noch nicht gesprießt hat.
8. und 7. Kup
Gelbgurt
Gelb steht für die Erde. Du hast bereits grundlegende Techniken parat, auf welche du weiter aufbauen kannst. Deine Wurzeln beginnen in der Erde zu wachsen.
6. und 5. Kup
Grüngurt
Grün steht für Wachstum. Du hast bereits Erfahrungen gesammelt, welche weiter ausreifen. Die ersten Sprösslinge zeigen sich und wachsen weiter.
4. und 3. Kup
Blaugurt
Blau steht für den Himmel. Du strebst Höheres an und bist dazu fähig, dieses zu erreichen. Die Pflanze wächst weiter und entwickelt sich zu einem Baum.
2. und 1. Kup
Rotgurt
Rot steht für Gefahr. Du sollst dich daran erinnern, dass deine Techniken mit Kontrolle und Respekt eingesetzt werden sollen. Die Warnung gilt ebenfalls für dein Gegenüber.
1. Dan
Schwarzgurt
Schwarz steht für die Vereinigung aller bisherigen Farben. Du hast dir Können und Reife erarbeitet. Deine Reise als Anfänger ist vorbei und du begibst dich auf eine neue Reise als Dan im Taekwon-Do.
Die Schülergrade werden als Kup bezeichnet.
Ab dem ersten Dan lautet die Bezeichnung „Kyosanim“ (Meister:in).
Großmeister:innen werden ab dem fünften Dan mit „Sabumnim“ angesprochen.
Die 20 Hyongs im traditionellen Taekwon-Do:
천지
1. Ch’ŏn-Ji Hyong (19 Bewegungen)
Bedeutet wörtlich übersetzt „der Himmel und die Erde“. In Asien wird dies als Beginn der Weltgeschichte bzw. der Anfang der menschlichen Geschichte interpretiert. Die Form besteht aus zwei gleichen Teilen, die für Himmel und Erde stehen
단군
2. Tan-Gun Hyong (21 Bewegungen)
Ist benannt nach dem heiligen Tan-Gun, welcher der Sage nach im Jahre 2334 v Chr. Korea gründete.
도산
3. To-San Hyong (24 Bewegungen)
Ist das Pseudonym des Patrioten Ahn Ch’ang Ho (1876-1938), welcher sein Leben der Bildung und Unabhängigkeit Koreas widmete.
원효
4. Wŏn-Hyo Hyong (28 Bewegungen)
Wurde nach dem bekannten Mönch benannt, der den Buddhismus im Jahre 686 n. Chr. in der Silla-Dynastie verbreitet hat.
율곡
5. Yul-Kok Hyong (38 Bewegungen)
Ist das Pseudonym des Philosophens und Gelehrtens Yi I (1536-1584), welcher den Spitznamen „Koreas Konfuzius“ trägt. Die 38 Bewegungen stehen für den Breitengrad seines Geburtsortes.
중근
6. Chung-Gǔn Hyong (32 Bewegungen)
Ist nach dem Patrioten An Chung-Gǔn benannt. Dieser hat Hiro-Bumi Ito, den ersten japanischen Generalgouverneur Koreas, ermordet. Die 32 Bewegungen stehen für Mr. An’s Alter bei seiner Exekution (1910).
퇴계
7. T’oi-Gye Hyong (37 Bewegungen)
Ist das Pseusonym des Gelehrten Yi Hwang (16. Jhd. n. Chr.) – eine Persönlichkeit des Neo-Konfuzius. Die 37 Bewegungen stehen für den Breitengrad seines Geburtsortes.
화랑
8. Hwa-Rang Hyong (29 Bewegungen)
Ist nach der Gruppe Hwa-Rang benannt, welche ihren Ursprung in der Silla-Dynastie hat. Die Gruppe hat maßgeblich zu der Vereinigung der drei Königreiche Koreas beigetragen.
충무
9. Ch’ung-Mu Hyong (30 Bewegungen)
Ist der Name, welche dem Admiral Yi Sun-Sin der Yi-Dynastie gegeben wurde. Ihm wird nachgesagt, dass er den Vorreiter der U-Boote entwickelt hat. Die letzte Bewegung der Form, eine linker Angriff mit der Hand, steht für seinen Tod. Er konnte sein großes, aber unterdrücktes Potenzial nie entfalten, da er durch seine erzwungene Loyalität zum König zurückgehalten wurde.
광개
10. Kwang-Gae Hyong (39 Bewegungen)
Steht für Kwang-Gae – T’o-Wang, dem 19. König der Koguryŏ-Dynastie, welcher alle verlorenen Gebiete wiedererlangt hat. Das Diagramm der Form spiegelt die Ausweitung und Rückeroberung der Gebiete wider. Die 39 Bewegungen stehen dabei für seine 39 Jahre an der Macht.
포은
11. P’o-Ǔn Hyong (36 Bewegungen)
Ist das Pseudonym von Chŏng Mong-Chu. Er war Pionier im Bereich der Physik und ein berühmter Dichter, dessen Vers „Ich würde keinem zweiten Herrn dienen, auch wenn ich hundertmal gekreuzigt würde“ überall in Korea bekannt ist. Das Diagramm der Hyong stellt seine unerschüttliche Treue zum König und dem Land gegen Ende der Koryŏ-Dynastie dar.
계백
12. Kae-Baek Hyong (44 Bewegungen)
Ist nach dem Großgeneral Kae-Baek der Paekchae-Dynastie (660 n. Chr.) benannt. Das Diagramm stellt seine strenge und harte militärische Disziplin dar.
유신
13. Yu-Sin Hyong (68 Bewegungen)
Ist nach dem Großgeneral Kim Yu-Sin der Silla-Dynastie benannt. Dieser hat maßgeblich zur Vereinigung der drei Königreiche Koreas beigetragen. Die 68 Bewegungen stehen für die letzten beiden Zahlen des Jahres 668 n. Chr. – dem Jahr, in dem Korea vereint wurde.
충장
14. Ch’ung-Jang Hyong (52 Bewegungen)
Ist der Vorname des Großgenerals Kim Dŏk-Ryŏng der Yi-Dynastie vor ca. 450 Jahren. Diese Form endet mit einem Angriff der linken Hand. Damit wird gezeigt, dass er mit 27 Jahren wegen einer falschen Anschuldigung im Gefängnis starb und deshalb nie sein volles Können zeigen konnte.
을지
15. Ǔl-Ji Hyong (42 Bewegungen)
Ist nach dem Großgeneral Ǔl-Ji Mun-Dŏk der Koguryo-Dynastie im 7 Jhrd. benannt. Das Diagram steht für seinen Nachnamen.
삼일
16. Sam-Il Hyong (33 Bewegungen)
Ist der 1. März. Im Jahr 1919 startete an diesem Tag die koreanische Unabhängigkeitsbewegung. Die 33 Bewegungen stehen für die 33 Patrioten die diese Unabhängigkeitsbewegung geplant haben.
고당
17. Ko-Dang Hyong (39 Bewegungen)
Ist das Pseudonym des Patrioten Cho Man-Sik. Dieser hat sein Leben der Bildung und Unabhängig Koreas gewidmet. Die 39 Bewegungen stehen für die Anzahl seiner Inhaftierungen sowie dem Breitengrad seines Geburtsortes.
최영
18. Ch’oi-Yŏng Hyong (45 Bewegungen)
Ist nach dem General Ch’oi Yŏng benannt. Er war gegen Ende der Koryŏ-Dynastie (14 Jhrd.) der Premierminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Wegen seiner Loyalität, seinem Patriotismus und seiner bescheidenen, ehrlichen Lebensweise wurde er von vielen Ländern hoch geschätzt. Er wurde wegen einer falschen Anschuldigung seines Untergebenen Generals Yi Sŏng-Gye – später der erste König der Yi-Dynastie – hingerichtet.
세종
19. Se-Jong Hyong (24 Bewegungen)
Ist nach dem König Se-Jong dem Großen benannt. Er hat im Jahre 1443 n. Chr. das koreanische Alphabet entwickelt. Das Diagramm der Form steht für „König“ und die 24 Bewegungen stehen für die 24 Buchstaben in der koreanischen Sprache.
통일
20. T’ong-Il Hyong (56 Bewegungen)
Steht für die Vereinigung des geteilten Koreas. Das Diagramm spiegelt das Bestreben nach Einheit wider. Traditionell wird diese Hyong erst öffentlich aufgeführt, sobald eine Wiedervereinigung Koreas stattgefunden hat.
Die obenstehenden Informationen sollen einen ersten Überblick über die Tradition der ursprünglichen 20 Hyongs im traditionellen Taekwondo geben. Wie in vielen historischen Darstellungen ist es jedoch schwierig, klare Grenzen zwischen belegten Fakten und politisch beeinflussten Interpretationen zu ziehen – besonders in der geschichtlich belasteten Region Ostasiens (Korea, China, Japan), in der häufig unterschiedliche Sichtweisen existieren; auch die Teilung Koreas trägt dazu bei.
Daher sollten die beschriebenen Angaben mit Vorsicht betrachtet und nicht als gesicherte historische Fakten verstanden werden. Wenn Fehler oder Unstimmigkeiten auffallen, freuen wir uns über einen Hinweis unter Angabe verlässlicher Quellen. Unsere Informationen sind zum Großteil dem Buch „Taekwon-Do – The Art of self-defence“ von Choi Hong Hi aus dem Jahre 1965 entnommen. Vielen Dank!